Die Berliner Hospitality-Agentin Eva Miriam Gerstner teilt ihre Gedanken mit euch: über Gastronomie und Gastfreundschaft, über Corona und wie eine neue Normalität aussehen könnte. Sie spricht Klartext und  manchmal lässt sie, wie wir wohl alle zurzeit, ihren Gefühlen freien Lauf. Heute präsentieren wir euch den zweiten Teil ihrer Reihe: von der Sparflamme zurück zu Feuer und Flamme – gemeinsam für die Sache brennen!   

Kurzer Situations-Check: Was hören Sie gerade? Musik aus der Playlist, Autos die vorbeifahren, Kinder die spielen oder wahlweise auch: nichts?

Vergleichen Sie das nun einmal damit, was Sie vor Beginn der Krise an diesem Tag, zu diesem Zeitpunkt gehört hätten: ein bis drei gleichzeitig klingelnde Telefone, ein Mailaccount, der ständig „pling“ macht, lachende Gäste im Garten, laute Musik aus dem Restaurant, Mitarbeiter*innengespräche, klirrendes Geschirr …

Jetzt ist alles anders.

Die Mitarbeiter*innen, die man in unserem Business mehr oder weniger sieben Tage pro Woche sieht, die Lieferant*innen, die jeden Tag kommen, unsere Stammgäst*innen, Vertreter*innen, Kolleg*innen, die zu Besuch kommen, Veranstaltungen und Messen, die man regelmäßig besucht … alles eingeschränkt oder komplett weg.

Soziale Kontakte im Vergleich zu sonst auf Null, Zero.

Auch wenn das Business auf Sparflamme weiter läuft und wir Hotelgäste aus Geschäftsgründen, To-go-Business und Lieferservice abfeiern dürfen, ist das alles nicht das, wofür wir normalerweise brennen.

Arbeiten auf Sparflamme. Richtig frustrierend. Fucking triste Situation.

Und das fühlen und empfinden nicht nur wir so, sondern auch unsere Teams, unsere Kolleg*innen, unsere Mitarbeiter*innen. Viele haben keine Lust mehr auf die Branche, die in den letzten Monaten so sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Aus Leidenschaft für den Beruf wurde pure Frustration.

Schon vor der Krise gab es diesen Mangel an Fachkräften und guten Mitarbeitern. Jetzt planen zusätzlich immer mehr Kolleg*innen, die Branche zu verlassen.

Das Feierabendbier, die team-internen Trinkgelage, das gemeinsame Augenrollen am Zapfhahn über nervige Gäste, ein Pläuschen mit den Stammgästen, der Trinkgeld-Bonus, der Tratsch und Klatsch in der Raucherecke – das alles ist der Klebstoff, der unseren Hospitality-Alltag so besonders macht.

Gibt’s nicht mehr.

Stattdessen Pandemie-Krise, Abstand und Lockdown ohne Ende. Homeoffice und Kurzarbeit. Motivation auf Null. Kotzfaktor auf 100.

Und trotzdem (oder genau deshalb) ist da dieser brancheneigene Optimismus, der Lichtstreifen am Horizont, das Wissen, dass alles gut wird, sobald, ja, sobald es eben wieder los geht. Aber bis dahin gilt es, das Team bei Laune, die Kolleg*innen bei der Stange zu halten, im Bestfall keinen zu verlieren, zusammen zu halten, Hospitality-Familie zu bleiben.

Nur: Wie macht man das am besten? Bei all den anderen Herausforderungen, Problemen, Hindernissen und Anforderungen, die ansonsten so tagtäglich anfallen.

Wie halte ich meine Teams motiviert und leistungsfähig? Wie erhalte ich den Spirit? Wie fördert man in dieser Zeit den Zusammenhalt, schafft Raum für Zukunftsvisionen und Vertrauen, und hält dabei die wirtschaftliche Effizienz aufrecht?

Oberstes Gebot: Kommunikation!

Anders als bei Groß-Konzernen spielte die interne Kommunikation in der mittelständischen Hospitality-Unternehmung bisher eine nicht so große Rolle. Vieles wurde einfach auf kurzem Weg persönlich besprochen, man hatte eh ständig Meetings, man traf sich ja im Prinzip jeden Tag.

Intranet, Team-Newsletter und eine strategische und informative Kommunikationsplanung für die Mitarbeiter gab es daher eigentlich eher selten. Jetzt ist aber alles anders. Und jetzt brauchen wir das. Und zwar schnell, ohne eine groß angelegte digitale Revolution.

Wichtig, um den Dialog mit den Kollegen aufrecht zu erhalten ist es, einfache, regelmäßige, informative, aber auch unterhaltsame News zu versenden.

Dies kann über eine WhatsApp-Gruppe (Achtung: Richtlinien!) erfolgen, oder aber auch über ein Newslettersystem oder ein Videotool, das es recht simpel überall zu downloaden gibt.

Noch einfacher ist der normale Mailversand. Der Inhalt darf gerne bunt gemixt sein: Kleine Motivationssprüche, lustiges Zeugs, kurzweilige News, aber auch Infos rund um die neueste Gesetzeslage, Neues aus dem Unternehmen.

Wichtig sind hier Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit!

Habt mal wieder Spaß zusammen!

Beste Idee in dieser Zeit: Digitale Team-Events! Es gibt momentan online so viele Angebote! Von der Schnitzeljagd durch die Stadt über Ratequiz-Sessions bis zu Kochkursen und Wein-Tastings. Endlich mal wieder zusammen sein, lachen, essen und trinken!

Verantwortung teilen!

Vor allem sind in der Krise Wertschätzung und ein Gefühl des Gebrauchtwerdens super wichtig für jedes Team-Mitglied.

Also los: Jeder bekommt eine Aufgabe, denn jeder im Team ist wichtig.

Abteilungsleiter*innen werden zu „Klassensprechern“, die z.B. (Online-)Teamschulungen von den Kolleg*innen für die Azubis organisieren. Warum lassen wir unsere Youngsters nicht einmal einen TikTok-Account für uns bespielen?

Unsere Abteilungsleiter*innen werden zur kreativen Keimzelle, erarbeiten gemeinsam neue Projekte und Ideen, stellen Verbesserungsprozesse auf und kümmern sich um die Umsetzung.

Bumm: Raketenstart für den Zusammenhalt und Team-Spirit!

Persönliche Ebene erhalten! (Achtung: Gesetzeslage!)

Der Pizza-Abend mit dem Rezeptions-Team, das Einzelgespräch mit dem Küchenchef bei einem Glas Wein, all das schafft eine vertraute Atmosphäre und fördert die Unternehmensbindung. Unsere Mitarbeiter*innen brauchen das jetzt!

Zuhören, reden, zusammen sein, das fühlt sich einfach gut an …

… und vielleicht kommen diese neuen Errungenschaften so gut an, dass diese künftig weiterentwickelt werden und sich danach herausstellt, dass Sie ganz unbemerkt eine kleine digitale Revolution durchgeführt haben.

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